Montag, 6. Oktober 2008

Engagement für Kamerun

Hallo allerseits!
Bei meinen Recherchen zur Vorbereitung der Kamerun-Reise und auch in Kamerun selbst, bin ich auf viele Projekte und Organisationen vor Ort gestoßen, die man unterstützen kann. Wer durch meinen kleinen Reisebericht Lust bekommen hat, sich mehr mit Kamerun auseinander zu setzen und sich vielleicht für Land und Leute zu engagieren findet hier einige Möglichkeiten.

PLAN International ist ein internationales Kinderhilfswerk, welches in vielen Ländern rund um den Globus aktiv ist. In den drei kamerunischen Pogrammgebieten setzt PLAN sich vor allem für eine Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten und der medizinischen Versorgung ein. Finanziert werden die Programme über Patenschaften: Das heißt, eine Person oder eine Schulklasse z.B. aus Deutschland zahlt monatlich einen Betrag für ein Patenkind. Das Geld bekommt jedoch nicht das Kind direkt, sondern es fließt in Projekte, die der ganzen Gemeinde zu Gute kommen. So wird sichergestellt, dass nicht einzelne Familien bevorzugt werden und sich die Lebenssituation in der Gemeinde insgesamt verbessert. Außerdem kann man einen guten Kontakt zum Patenkind aufbauen: PLAN verschickt Informationen über die Familie, aber auch über die Kultur und Situation im Land. Das Patenkind und die Pate können einander Briefe schreiben und so viel voneinander erfahren.

Der Bewahrung des zentralafrikanischen Regenwaldes hat sich ein Projekt des World Wide Fund for Nature (WWF) verschrieben. Gemeinsam mit vielen anderen afrikanischen Ländern hat auch Kamerun einen Anteil an diesem Waldgebiet – und ist gleichzeitig das Land mit der höchsten Abholzungsrate Afrikas. Die Regenwälder des Kongobeckens „beheimaten über 400 Säugetierarten, mehr als 1.000 Vogelspezies und wahrscheinlich über 10.000 Pflanzenarten. Im Kongo-Becken kommen beide Gorilla-Arten vor. Außerdem Schimpansen und Bonobos, Waldelefanten und Waldbüffel, Bongoantilopen und Waldgiraffen. Viele Arten sind endemisch - das heißt, sie leben weltweit ausschließlich in dieser Region."( www.wwf.de) Der WWF setzt sich für eine nachhaltige Nutzung des Waldes ein, indem er ökologisch verträglichen Tourismus unterstützt und Unternehmen berät, wie sie ihre Holzgewinnung an soziale und ökologische Kriterien koppeln können. Ein Kuchenbasar, dessen Erlös an den WWF gespendet wird oder die Übernahme einer Patenschaft für eines der Projekte könnten dazu beitragen.

Wichtig ist aber natürlich auch das eigene alltägliche Verhalten: Schulhefte, Taschentücher und Toilettenpapier aus 100% Altpapier z.B. schonen auch den Regenwald, denn um an die teuren Edelhölzer im Wald zu kommen, werden auch viele nicht so gewinnbringende Bäume gefällt – und dann zu Papier oder Sperrholz verarbeitet.

Eine weitere Möglichkeit auch weiter im Alltag etwas für Kamerun (und andere Länder des Südens!) zu tun, ist der Besuch im Eine Welt Laden bzw. der Einkauf von fair gehandelten Produkten. Im Fairen Handel (Fair Trade Siegel) bekommen die Erzeuger Löhne bzw. Preise für ihre Waren, die ihnen den Lebensunterhalt sichern und z.B. ausschließen sollen, dass die Kinder mitverdienen müssen. Aus Kamerun kommen Kakao, Schokolade, Früchte wie Mangos und Ananas, Tee und Kaffee.

Es gibt auch viele kleine Projekte in Kamerun, die mehr oder weniger große Verbindungen nach Deutschland haben. Bei meiner Vorbereitung war ich durchaus überrascht, wie viele Bremer z.B. Kontakte dorthin haben und sinnvolle, aber nicht so bekannte Initiativen – die Unterstützung von Behinderten, politische Bildung für Kinder und Jugendliche, Schulpartnerschaften, Verbreitung erneuerbarer Energien u.a. - es dort gibt. Vielleicht findet ihr ja auch in eurer Stadt oder Region ein Projekt, dass ihr gern unterstützen würdet.

Aber selbstverständlich geht es mir nicht nur um Kamerun – das übergreifende Thema Klimawandel geht uns alle ganz alltäglich an. Viele Tipps, wie man selbst weniger CO2 produzieren kann, gibt es unter anderem hier. Recht fix kann z.B. der Umstieg auf Öko-Strom gehen, wenn alle Familienmitglieder einverstanden sind, andere Punkte wie weniger Autofahren und weniger Fleisch-Konsum sind schon heikler. Aber eigentlich ist für jeden was dabei und auch ein kleiner Schritt zur Reduzierung von CO2 ist einer in die richtige Richtung!

So bin ich nun am Ende diese Blog angekommen. Nach zwei Wochen in Deutschland bin ich langsam wieder in die Normalität zurück gekehrt und habe schon vielen Menschen von meinen Erlebnissen erzählt. Ich habe viele unvergessliche Erfahrungen gemacht und einige davon mit euch geteilt. Vielen Dank also auch an euch für euer Interesse – Useko!, wie es auf Fuldfulde heißen würde.
Sollte es noch weitere Fragen oder Kommentare geben, würde ich mich darüber sehr freuen.

Bis dahin viele liebe Grüße aus Bremen,
Carolin


Freitag, 3. Oktober 2008

Abschied und Begrüßung

Hallo allerseits!

Nach einiger Zeit melde ich mich wieder. Ich bin seit etwas über einer Woche wieder in Deutschland und musste mich hier erstmal wieder zurecht finden und wieder eingewöhnen.

Meine letzten Tage in Kamerun waren sehr schön, in Ngaoundéré kam mich ein Freund aus einem anderen ASA-Projekt besuchen und wir haben uns viel über unsere Erfahrungen ausgetauscht. Wir haben beide den Eindruck, dass Kamerun ein sehr vielfältiges Land ist – und sich z.B. der Norden stark vom Süden unterscheidet. Gemeinsam sind wir noch ein paar Mal in der Stadt und der Umgebung unterwegs gewesen und ich habe mich von verschiedenen Leuten verabschiedet.

Es war schon ein bisschen traurig, denn in drei Monaten lernt man die Leute besser kennen. Da ist z.B. Alisou (Foto), der einen kleinen Laden gleich neben unserem Haus hat und bei dem wir jeden Morgen Brot gekauft haben. Wir haben uns oft mit ihm unterhalten und haben einen Einblick in sein Leben erhalten. Er ist selbst erst vor einem halben Jahr von Mali nach Kamerun eingewandert und arbeitet dort nun in dem winzigen Laden. Tagsüber verkauft er viele Waren, die man so täglich braucht: Brot, Eier, Waschpulver, Toilettenpapier und Telefonkarten. Der Laden hat von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr abends auf. Doch sogar die Nacht verbringt Alisou in der kleinen Holzhütte, denn so spart er die Miete für eine andere Unterkunft und der Ladenbesitzer spart das Geld für einen Nachtwächter. Alisou versucht von seinem Lohn Geld zu sparen und zurück zu seiner Frau und den zwei Kindern nach Mali zu schicken. Ich hoffe, er wird mit dem Laden weiterhin Erfolg haben... .

Die Rückreise nach Deutschland verlief ohne Komplikationen. Viele Reiseführer schreiben, dass man am Flughafen in Douala mit Problemen rechnen muss, da die Beamten dort sehr genau kontrollieren und regelrecht versuchen würden etwas zu finden wofür sie eine Geldstrafe verlangen können. Ich bin nur auf sehr nette Beamte gestoßen, die sich allenfalls etwas länger mit mir unterhalten haben, als das in Europa üblich wäre. Douala habe ich bei etwa 26°C um 23 Uhr verlassen – als ich dann in Paris um 6.15h morgens gelandet bin, waren es 6°C (!) und drei Stunden später in Bremen auch nur 12°C (Foto). Ich habe die ganze erste Woche gefroren und mir auch gleich einen kleinen Schnupfen geholt.

In Bremen gab es dann erstmal Frühstück mit Vollkornbrot und Käse, beides habe ich in Kamerun nach einiger Zeit vermisst. Dort isst man – in französischer Tradition – fast nur Baguette-Brot und es gab leider nur importierten, teuren Käse, den ich nicht oft gekauft habe. Na ja, dafür wird es auch einige kamerunische Dinge geben, die ich hier vermissen werde. Zwar weiß ich schon, wo ich in Bremen Kochbananen her bekomme, aber spätestens bei den Blattgemüsen (Kumbi, Ndolé, Foulang...) wird es wohl schwierig.

Ich bin natürlich auch froh, wieder bei meinen Freunden und in der für mich gewohnten Umgebung zu sein. Trotzdem nehme ich jetzt ein paar Dinge anders wahr: In den ersten Tagen war ich immer etwas verblüfft, wenn ich Leute getroffen habe und die Gespräche recht schnell zu Ende gingen, weil die Menschen wenig Zeit hatten. In Kamerun nimmt man sich dann eher die Zeit und redet lang und ausführlich mit einander. Erst recht kam es mir in der Straßenbahn seltsam vor, dass kaum jemand redet. In den afrikanischen Verkehrsmitteln sprechen auch wildfremde Menschen bald miteinander und gerade als Europäerin mit weißer Hautfarbe wird man immer angesprochen und ausgefragt. In unserer Straßenbahn scheinen die meisten mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt zu sein.

Es war eine wunderschöne Zeit in Kamerun und ich werde mich auf jeden Fall weiter mit diesem faszinierenden Land beschäftigen und mich dafür engagieren. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt und eine ganz andere Lebensweise. Der Abschied ist mir schwer gefallen, aber ich habe schon bei der Abfahrt aus Ngaoundéré das Gefühl gehabt, dass ich dort nicht zum letzten Mal gewesen bin.



Dienstag, 9. September 2008

Reisefieber

Hallo allerseits!

Nur noch zwei Wochen, dann bin ich wieder in Deutschland – und da freue ich mich schon sehr drauf! Andererseits bedeutet es auch so langsam Abschiednehmen, denn Marie ist bereits gestern Abend aus Ngaoundéré abgereist. In Frankreich fängt die Uni früher wieder an als in Deutschland und so muss sie schon zurück.

Ich bleibe noch bis nächste Woche Mittwoch und mache mich dann langsam auf den Rückweg. Zwei Tage werde ich noch in Yaounde verbringen und dort weitere Interviews machen und zwei Tage sind noch für Douala vorgesehen. Am Montag, den 22.9. geht dann abends mein Flugzeug. Ich habe soviel „Pufferzeit“ eingeplant, weil die Verkehrsverbindungen in Kamerun nicht so gut ausgebaut sind, wie in Deutschland.

Die Zugverbindung von Yaounde nach Ngaoundéré ist die einzige Nord-Süd-Verbindung per Bahn. Es fährt jeden Tag ein Personenzug von der Haupstadt in den Norden und jeden Tag einer in die Gegenrichtung. Ansonsten wird die Verbindung nur von Güterzügen genutzt. In der letzten Woche ist einer der Güterzüge vom Gleis abgekommen und hat für 1 ½ Tage die Strecke blockiert, so dass der tägliche Personenzug einmal ganz ausgefallen ist und einmal mit 12 Stunden Verspätung losfuhr. Falls das noch einmal passieren sollte, möchte ich genug Zeit haben, um meinen Flugtermin einhalten zu können.

Es gibt zwar auch die Möglichkeit, mit einem Sammeltaxi zu fahren, aber dann dauert die Fahrt mindestens zwei Tage – in einem kleinen Bus mit mindestens 30 Leuten und auf schlechten, meist ungeteerten Straßen. Diese Art zu reisen habe ich schon auf dem Weg nach Maroua (Foto) erlebt und obwohl man so viel mehr von der Landschaft mitbekommt, möchte ich das nicht zwei Tage lang machen. Außerdem ist auch die etwas ältere kamerunische Bahn noch klimafreundlicher als die Busse.

Um nach Europa zurück zu kommen, muss ich dann allerdings ein Flugzeug nehmen. Dies ist das klimaschädlichste aller Verkehrsmittel und ich hätte es gern vermieden. Für die Hinreise hatte ich überlegt, auf einem Frachtschiff von Deutschland nach Kamerun mit zu fahren – das wäre nicht mal viel teurer als ein Flug gewesen und ich hätte noch eine schöne „Kreuzfahrt“ gehabt. Allerdings hatten in dem Zeitraum keine Schiffe mehr Plätze frei. Der Rückweg per Schiff scheitert daran, dass die Schiffe nicht direkt zurückfahren, sondern Umwege machen, kleine Inseln und andere Länder anlaufen, manchmal sogar einen Schlenker nach Lateinamerika machen – das ist leider zu teuer und zu zeitaufwendig für mich.

Da also „Gar-Nicht-Fliegen“ für mich nicht geht, habe ich mich informiert, wie viele Treibhausgase bei so einem Flug eigentlich zu Stande kommen – und das ist eine ganze Menge. Hin- und Rückflug bringen es zusammen auf etwa 3200 kg CO2 allein für mich. Für diese Menge könnte ich auch einen Kühlschrank 32 Jahre laufen lassen oder 1 ½ Jahre lang Auto fahren.

Wenn man ausrechnet, wie viel ein Mensch jedes Jahr emittieren darf, ohne dem Klima zu schaden dann kommt man auf 3000kg CO2. Dabei würde man davon ausgehen, dass jeder Mensch gleich viel emittieren darf. Ich habe also sozusagen mein Jahresbudget mit dieser einen Reise schon überschritten – während ein Inder durchschnittlich nur 900kg CO2 im Jahr produziert.

Na ja, da ich das Fliegen schon nicht vermeiden konnte, habe ich wenigstens versucht, den Schaden der durch die Treibhausgase entsteht wieder ein zu dämmen. Bei Organisationen wie z.B. atmosfair kann man berechnen lassen, wieviel CO2 bei der Reise entsteht – und wie viel es kosten würde, die gleiche Menge CO2 woanders wieder einzusparen. Die Partnerorganisationen von atmosfair betreiben Solarküchen in Indien, verteilen sparsamere Brennholzkocher in Nigeria oder produzieren Biogas aus Abwasser in Thailand – was im Verglich zu bisherigen Methoden der Energiegewinnung CO2 einspart. Um meine 3200 kg CO2 einzusparen zu können habe ich 76 Euro an atmosfair gezahlt – die das nun an die Partner weiterleiten, die ihre Klimaschutzprojekte damit weiterentwickeln.

Liebe Grüße,
Carolin, (die jetzt ganz allein in dem großen Haus ist).


P.S. Auch Lust, die Länder des Südens zu entdecken und andere Kulturen besser kennen zu lernen? Inwent hat jetzt auch ein Schulpartnerschaftsprogramm zwischen Schulen in Deutschland und in Entwicklungsländern.

Dienstag, 2. September 2008

Was sagen die Bauern in Kamerun?

Hallo allerseits!

Etwas weit ab von den Weltnachrichten, weiß ich gerade gar nicht, was in Deutschland so los ist. Es ist zwar nicht schwierig, den eigentlichen Ereignissen zu folgen, aber hier wird kaum öffentlich über Dinge gesprochen, die nicht Kamerun direkt betreffen. Nur der neu ausgebrochene Konflikt im Kaukasus hatte auch Auswirkungen „für uns ASA-Stipendiaten“, denn auch in Georgien fanden ASA-Projekte statt. Sie wurden nun leider alle abgebrochen und die Teilnehmer über die Türkei aus der Region heraus geholt, weil es zu gefährlich war. Sicherlich sehr schade für die Leute, aber in dieser Situation wohl nicht anders machbar.

Wir konnten dagegen fleißig weiter arbeiten und haben endlich die Interviews mit den Bauern zusammen bekommen: In der Nähe von Maroua waren wir im Dorf Godola und haben mit den Bauern Amidou Sali, Amaoua Mathieu und Ousa Oumara gesprochen. Einige Kilometer von Ngaoundéré entfernt waren wir im Dorf Dena zu Besuch und haben mit 13 Einwohnern ein Gruppeninterview geführt.

Sie alle bearbeiten Flächen zwischen 0,25 und 4 Hektar - ein Hektar ist etwas größer als ein normales Fußballfeld. In Deutschland liegt die durchschnittliche Größe für Bauernhöfe bei 40-60 Hektar, was daran liegt, dass man mit Maschinen wesentlich mehr Fläche bewirtschaften kann. In Kamerun dagegen machen die Kleinbauern alles per Hand. Am häufigsten bauen sie Grundnahrungsmittel an: Mais, Erdnüsse, Bohnen, Maniok und Hirse, auch ein bisschen Baumwolle zum Verkaufen. Auf den Fotos seht ihr Maniokknollen und das allgegenwärtige Maniokmehl. Die rohe Wurzel enthält giftige Stoffe und um diese zu entfernen, mahlen die Frauen den Maniok zu Mehl, vermischen ihn mit Wasser und reiben diese Mischung dünn auf Plastikplanen und Tücher, um sie in der Sonne trocknen zu lassen. Man begegnet diesen Tüchern überall (Foto).

In keiner der Sprachen, welche die Bauern sprechen gibt es ein Wort für Klimawandel – und doch können die Bauern gut die ersten Veränderungen beschreiben. Marie und ich sind mit der Erwartung hingegangen, das die Bauern sagen würden, die Temperaturen wären in den letzten 20 Jahren angestiegen und der Regen weniger geworden. Dem war aber nicht so – diese deutlichen Änderungen scheinen die Gegend (noch) nicht erreicht zu haben. Stattdessen sagen sie aber, der Regen käme unregelmäßiger und das hat Konsequenzen. Normalerweise sollte es in der Regenzeit wenigstens alle zwei bis drei Tage regnen, damit der Boden feucht bleibt und die Pflanzen gut gedeihen. Jetzt aber kommt es häufiger vor, dass es mal drei-vier Tage nicht regnet und dann wieder recht viel. Der Wachstumszyklus der Pflanzen wird dadurch unterbrochen, sie bekommen nicht genug Wasser, bleiben klein und kümmerlich oder sterben sogar ab. Außerdem tötet der Regen zum Teil die Insekten. Kommt der Regen unregelmäßiger, gibt es mehr Insekten, die sich an den Feldern gütlich tun.

Insgesamt sinken also die Erträge – die meisten Bauern haben erst innerhalb der letzten 20 Jahre begonnen, Dünger und Pflanzenschutzmittel zu verwenden. Das liegt zum Teil auch daran, dass sie jetzt leichter zu haben sind und die Bauern vielleicht auch beraten werden. Dennoch ist die Aussage, das die Erträge für Hirse im Norden gleich Null wären, wenn man sie nicht behandeln würde bedenklich. Hirse ist das Hauptnahrungsmittel im Norden.

Amidou Sali, der seine Felder mit seiner Frau und ihren 9 Kindern bewirtschaftet, geht auch davon aus, dass die Bauern flexibler werden müssten und das Wetter nicht mehr so genau voraus zu sagen ist. Normalerweise wissen die Bauern im Norden z.B., dass der erste Regen irgendwann im Mai kommt – das kann am 1. sein oder am 31. Oft warten sie nach dem ersten Regen noch ab bis es zwei oder drei Tage am Stück regnet und sähen erst dann. In diesem Jahr jedoch hat Amidou als einziger der Bauern Godolas, sofort nach dem ersten Regen am 7. Mai gesät - seine Hirse war schon reif, als wir das Interview führten, während sich die anderen Bauern noch Sorgen machten, dass die ihre nicht groß genug für die Jahreszeit sei. Amidou hatte Glück und war stolz auf seine schnelle Entscheidung – aber es hätte eben auch nach diesem ersten Regen einige Tage trocken bleiben können und seine jungen Pflänzchen wären vertrocknet. Das Foto zeigt unsere Interviewpartner in Dena - sie sind zwischen 20 und 84 Jahren alt!

Es bleiben mir noch etwa drei Wochen in Kamerun und in dieser Zeit habe ich noch viel zu tun. Außerdem ist während der Zeit auch Ramadan, der muslimische Fastenmonat. Für die vielen Muslime hier ist das Fasten tagsüber religiöse Pflicht. Das heißt, sie essen von ersten Morgengebet (5h) bis zum Abendgebet (19h) nichts und erst danach nehmen sie wieder Nahrung zu sich.

Vor Beginn des Ramadans fand in Ngaoundéré am Sonntag eine „Fantasia“ statt – das bedeutet, das muslimische Oberhaupt, der Lamido, kam auf einem Pferd aus seinem Palast und machte einen Umzug durch die Stadt. Begleitet wurde er von seinen „notables“, den religiösen Beamten. Danach gab es einige Pferderennen.

Eigentlich wollte ich euch ja in Video von der Fantasia zeigen, aber ich schaffe es einfach nicht, es hochzuladen. Das muss ich wohl nachholen, wenn ich in Deutschland wieder einen stabilen Internetanschluss habe. Stattdessen also noch ein Foto vom Schlangenmeister, einer Art Prinz des Lamido, der seine Position von seinem Vater geerbt hat. Er ist für die Schlange verantwortlich, mit der der Lamido die Zukunft voraus sagt.


Viele Grüße,
Carolin


P.S. So und hier der Nachtrag des Videos. Unbedingt die Lautsprecher anmachen! Der Lamido ist der in weiß gekleidete Mann unter dem großen Regenschirm... . (3.10.2008)


Mittwoch, 27. August 2008

Der schrumpfende See im Norden

Hallo mal wieder! Djam bandu-na?

Das ist Fulfulde und bedeutet „Wie geht es dir?“, die Antwort ist immer „Djam!“ oder „Djam koo-dume!“, also „Es geht mir gut“ bzw. „Nichts als Frieden“.
Das stimmt so weit auch, es geht uns gut. Wir sind mittlerweile wieder in Ngaoundéré angekommen und ich trauere immer noch ein wenig der verpassten Chance nach, den Tschadsee mal zu Gesicht zu bekommen. Wenn die Sicherheitsprobleme nicht gewesen wären, hätte ich ihm gern einen Besuch abgestattet.

Vier Länder teilen sich den See: Nigeria, Niger, der Tschad und Kamerun und er ist die viertgrößte Süsswasserquelle Afrikas. Er versorgt 20 Millionen Menschen mit Wasser – das entspricht etwa einem Viertel der
deutschen Bevölkerung.
Für Ornithologen, also Vogelforscher ist er eine Fundgrube und auch sonst lebt eine Vielzahl an bedrohten Tieren in der Nähe des Sees. Einige unserer Zugvögel machen auf ihrer Winterwanderung dort Rast oder überwintern gänzlich am See. Viele der Fische, die ich auf den Märkten Marouas gesehen habe, wurden im Tschadsee gefangen und dann getrocknet, um sie transportieren zu können. (Foto:Wikipedia)

Doch der See ist auch Denkmal für die dramatischen Folgen unter anderem des Klimawandels in Afrika: Die Oberfläche des Sees ist innerhalb von nur 40 Jahren (1960-2000) um 90% geschrumpft. Was mir immer noch als riesiger See (rund 23.000 km²) vorkommen würde, ist also nur ein kümmerliches Überbleibsel dessen, was er einmal war - nämlich so groß wie unser Bundesland Brandenburg noch in den 1950ern.

Dieser Rückgang ist zum großen Teil die Folge menschlicher Eingriffe: In den 60er Jahren begannen einige großangelegte Projekte in den angrenzenden Ländern, die entweder die Zuflüsse, z.B. den großen kamerunischen Fluss Logone oder den See selbst anzapften. Das Wasser wurde zur Energiegewinnung oder zur Bewässerung weitläufiger Felder benutzt. Die Bevölkerungszahl rund um den See stieg an und er brachte immer mehr Menschen ein wirtschaftliches Auskommen durch Fischfang, bewässerte Landwirtschaft und eine Trinkmöglichkeit für die Herden. Vielleicht wäre das in dieser Größenordnung sogar noch eine Weile gut gegangen, hätte es nicht in den Jahren 1972-73 und 1982-84 Dürren großen Ausmaßes gegeben: der Regen blieb aus. Bis heute kann man für Westafrika insgesamt eine Reduzierung der Regenmenge von etwa 15-20% im Vergleich zum Anfang des Jahrhunderts annehmen – und sie direkt mit dem Klimawandel in Verbindung bringen.

Der See wurde übermäßig genutzt und hatte keine Chance, sich wieder zu füllen. Hinzu kommt ein weiteres Problem, welches durch die Globale Erwärmung begünstigt wird; die Desertifikation d.h. wörtlich „Verwüstung“. Es bedeutet, dass die Wüste sich immer weiter ausbreitet – und die Sahara wächst auch in Richtung Tschadsee. Nun entstehen deshalb dort nicht gleich die berühmten Sanddünen, aber die heißen Winde der Trockenzeit wehen Saharastaub in den See und beeinflussen das Klima dort negativ. Der See schrumpft weiter.

Für die Menschen, die an seinem Ufer leben hat das vielfältige Folgen. Wer in seiner Kindheit noch in einem Dorf am Rande des Sees lebte, kann sich heute im selben Dorf 20km weit vom Ufer finden. Doch vielen Menschen bleibt ohnehin nichts übrig, als dem See hinterher zu ziehen, ist er doch die einzige „zuverlässige“ Wasserquelle in der Region.

Die Konkurrenz um das verbleibende Wasser führt zu Konflikten: zwischen den Fischern und den Viehzüchtern; zwischen denen, die sich neu am See ansiedeln und denen, sie dort schon länger wohnen und selbst zwischen den Staaten, die sich den See teilen. So hat der Niger eigentlich gar keinen wirklichen Anteil am Tschadsee mehr – nur noch trockenes, wüstenartiges Land, wo früher glitzerndes Wasser war. Nigeria sieht sich mit demselben Problem konfrontiert – und die Menschen, die früher an der nigerianischen Küste des Sees lebten, ziehen ihm hinterher und sind nun plötzlich auf kamerunischem Gebiet – welchem Staat gehören sie an?

Die Fischer des Sees trifft es besonders hart, die Fangmenge geht seit Jahren kontinuierlich zurück und die Konkurrenz steigt. Die geringe Tiefe des Sees begünstigt Sandbänke und Inseln, die das Steuern der Boote schwierig machen; an manchen Stellen lassen sich auch die Netze und anderen Fanggeräte gar nicht mehr tief genug ins Wasser tauchen. Viele geben ihr Handwerk auf uns suchen ihr Auskommen woanders – obwohl der Fisch aus dem See immer noch eine der wichtigsten Eiweißquellen für die Menschen des Nordens ist und nicht absehbar ist, wie er ersetzt werden kann.
Den Viehzüchtern geht es nicht besser, aus Wassermangel müssen sie ihre Herden reduzieren – und das in einer Gegend, wo Vieh Reichtum bedeutet (s. unten)

Die dichtgedrängte Konkurrenz der Menschen bedeutet auch für die Natur nichts Gutes, denn wo die Menschen selbst Krisen ausgesetzt sind, die ihre Existenz bedrohen, kommt der Umweltschutz häufig erstmal zu kurz.

Es gibt aber auch einige Projekte, die sich der Rettung des Tschadsees zumindest in seiner jetzigen Größe widmen. So wird zum Beispiel geplant, den Fluss Oubangui, der durch den Kongo und die Zentralafrikanische Republik fließt, mit dem Zufluss des Sees, dem Chari zu verbinden und so mehr Wasser in den See einzuleiten. Zur Zeit werden die ökologischen Konsequenzen eines solchen Projektes und die Finanzierungmöglichkeiten geprüft.

Mehr Infos über den See, u.a. auch schöne Fotos, gibt es hier. Außerdem noch ein kleiner Eindruck von den Rindern Kameruns, die so ganz anders aussehen, als unsere.



Montag, 18. August 2008

Der Extreme Norden

Hallo allerseits! Wie versprochen melde ich mich dieses Mal aus Maroua, der Haupstadt der Provinz Extreme Nord. Hier wollten Marie und ich viele Leute und Organisationen treffen, allerdings haben sich ein paar Dinge anders entwickelt als geplant. Zunächst einmal hat „Montezumas Rache“ mich und einen Tag später auch Marie getroffen und es uns für einige Tage verunmöglicht, zu arbeiten. Ihr wisst nicht, was das ist? Na, dann ratet mal oder benutzt eine Suchmaschine ;-)

Außerdem sind einige der Leute, mit denen wir arbeiten wollten gerade nicht in Maroua, so dass wir uns noch etwas gedulden müssen. Morgen oder am Dienstag soll es dann aber so weit sein und wir haben Gelegenheit, mit einigen Bauern zu sprechen.

Der Norden Kameruns ist nicht nur dem Namen nach „extrem“ sondern auch vom Klima her. Ngaoundéré liegt relativ hoch, etwa 1200m und hat dadurch relativ milde Temperaturen. Maroua jedoch, liegt 500km weiter nördlich, somit näher an der Sahelzone und außerdem auf einer Höhe von nur 400m. Das bedeutet, dass die Temperaturen ganzjährig zwischen 25-45°C liegen und es viel weniger regnet. So regnet es in Ngaoundéré durchschnittlich an 128 Tagen im Jahr, in Maroua nur noch 70 Tage und noch weiter nördlich, in Kousseri nur noch 64 Tage.

Wenn es denn aber regnet, dann auch richtig, wie euch das kleine Video am Ende des Artikels hoffentlich zeigt. Diesen Regen“schauer“ habe ich heute Nachmittag aufgenommen und er dauerte etwa eine Stunde in dieser Heftigkeit um dann in einen kleinen Nieselregen überzugehen, der bis jetzt anhält. Der Krach, den ihr hört, wenn eure Lautsprecher an sind, rührt daher, dass viele Dächer hier aus Wellblech bestehen und der Regen darauf regelrecht „trommelt“. Gerade nachts ist das aber ein sehr entspannendes Geräusch, bei dem man sehr gut schlafen kann... .

Es hat einige Vorteile, in der Regenzeit in den Norden zu fahren: Die Temperaturen steigen gerade nicht über 30°C und sind somit für uns Europäer leichter auszuhalten, die in der Trockenzeit ausgedörrten und staubigen Böden grünen und erblühen in der kurzen Zeit des Wasserüberflusses und auch die Flüsse führen wieder Wasser. Viele Flüsse im Norden haben kein permanentes Wasser, sondern sind so genannte „Wadis“. In der Regenzeit führen sie Wasser, Kinder baden darin, Frauen waschen Wäsche und die Tiere können trinken – den Rest des Jahres über sieht man jedoch nur das staubtrockene Flussbett und Menschen und Tiere sind auf Brunnen und Wasserlöcher angewiesen. Auf dem Foto sieht man den Mayo Kaliao, den Fluss Marouas – und wie man sieht, führt er längst nicht so viel Wasser, dass das gesamte Flussbett gefüllt wäre. Momentan ist er auch an keiner Stelle besonders tief, die Leute spazieren hindurch statt die weit entfernten Brücken zu benutzen. Dabei ist der August eigentlich die regenreichste Zeit in dieser Region – wenn der Fluss jetzt nicht seine volle Größe erreicht, wann dann? Auch das könnte also schon eine Folge des Klimawandels sein.

Obwohl die Regenschauer die Luft etwas abkühlen, hat auch diese Zeit ihre Nachteile für uns: Wir wollen noch ein etwas weiter entferntes Dorf besuchen und müssen nun darauf warten, dass es mal drei Tage am Stück nicht regnet – nur dann sind die Straßen dorthin nämlich passierbar. Viele andere Reisemöglichkeiten scheiden ebenfalls aus, weil die Straßen hier größtenteils nicht geteert sind, sondern aus fest gestampftem Erdboden oder Sand bestehen und sich im Regen nur noch in Matsch verwandeln. Leider können wir nun auch nicht in eines der Naturschutzgebiete gehen, um einige Tiere in freier Wildbahn zu sehen: Da das Gras ohnehin den Blick versperrt und die Tiere jetzt nicht mehr so häufig zu den Wasserlöchern kommen, aber auch um ihnen „Ferien“ von den neugierigen Touristen zu gewähren, sind alle Parks während der Regenzeit geschlossen.

Gerne wären wir auch noch weiter in den Norden, bis zum berühmten Tschadsee gefahren, aber sowohl der Regen als auch die angespannte Sicherheitslage im Norden hindern uns daran. Auf den Straßen in den Norden kommt es immer wieder zu Raubüberfällen, gerade wegen der Nähe zu den ungesicherten Grenzen der Nachbarländer Nigeria und Tschad – Banditen können sich nach einem Überfall auf die andere Seite der Grenze zurückziehen, ohne weiter verfolgt zu werden. Außerdem ist der Tschad ein politisch alles andere als ruhiges Land. Erst vor einem halben Jahr hat eine Rebellengruppe versucht, die Regierung des Tschads zu stürzen und die Hauptstadt N'Djamena einzunehmen, die sehr nah an der kamerunischen Grenze liegt. In der Folge sind viele Menschen aus dem Tschad nach Kamerun geflüchtet und auch jetzt scheint die Lage sich noch nicht in allen Gegenden beruhigt zu haben.

Dabei hatte ich mich schon darauf gefreut, den Tschadsee mit eigenen Augen zu sehen. Aber mehr dazu im nächsten Artikel, ich muss mich jetzt nämlich beeilen und noch schnell Wasser kaufen gehen, bevor es dunkel wird.

Viele Grüße,
Carolin



Montag, 4. August 2008

Was sagen Schüler in Kamerun?

Hallo allerseits!
Wie ich höre, soll es in den letzten Wochen in Deutschland tatsächlich so was wie einen Sommer gegeben haben?! Auch Marie und ich genießen heute die Sonne, nachdem es in den letzten zwei Tagen viel geregnet hat.

Wir sind mit unserer Arbeit gut vorangekommen, die Beschriftung der Bücher in der Bibliothek nähert sich ihrem Ende und wir haben auch weitere Leute getroffen und mit ihnen über ihre Erfahrungen gesprochen. Besonders interessant fand ich es, die Meinungen von Schülern zu lesen, die an einem Wettbewerb des Umweltministeriums teilgenommen haben und dazu verschiedene Fragen beantwortet haben. Es ist spannend zu lesen, wie genau sie die Umweltprobleme in ihrer Umgebung wahrnehmen und was sie gern ändern würden.

Anlässlich des 35. Welt-Umwelt-Tages am 05. Juni 2008 sollten die Schüler folgende Fragen beantworten:

  1. Was ist das diesjährige Thema des Welt-Umwelt-Tages?

  2. Was bedeutet dieses Thema für dich?

  3. Was sind die Hauptquellen für CO2-Emissionen, die von Menschen verursacht werden?

  4. Was sind die Konsequenzen einer erhöhten CO2-Konzentration in der Atmosphäre für die Menschen?

  5. Nenne fünf Umwelt-Probleme in der Provinz Adamaoua!

  6. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Maßnahmen um die Emission von CO2 zu verringern?

Um es vorweg zu sagen, das diesjährige Thema lautete: „Non à la dépendance! Pour une économie à faible émissions de carbon.“ übersetzt „ Nein zur Abhängigkeit! Für eine Wirtschaft mit wenigen Kohlenstoff-Emissionen.“ Vielleicht könnt ihr versuchen, die anderen Fragen für euch selbst zu beantworten und auf euren Wohnort zu beziehen?

Die Schüler hier sind sehr gut informiert, was die hauptsächlichen Quellen der Treibhausgase sind und welche Folgen sie haben, am meisten hat mich aber gefreut, dass sie auch die Probleme in ihrer eigenen Region sehr genau bemerken. So fanden sich unter den genannten Umweltproblemen in Adamaou gleich auf den vordersten Plätzen die „wilde“ Müllentsorgung in der Stadt und die große Luftverschmutzung durch die vielen Autos und Motorrad-Taxis.



















Es gibt in Ngaoundéré keine funktionierende Müllabfuhr und so entstehen überall in der Stadt kleine und größere Müllhalden, auf denen die Leute ihren Müll einfach so entsorgen. Häufig wird er auch in den Fluss geworfen, in der Hoffnung, dass er wegschwimmt. Diese Sammelplätze stinken in der Hitze fürchterlich und da sich keiner um sie kümmert, ziehen die freilaufenden Tiere dort hin und suchen im Müll nach Freßbarem, aber auch die Kinder spielen dort zum Teil. Ich habe schon in einer kleinen Schülerzeitung einen Bericht darüber gelesen, der die Schüler warnt, nicht auf den Mülldeponien zu spielen, weil dort auch giftige Abfälle z.B. aus den Apotheken oder gesundheitlich bedenkliche Sachen aus den Krankenhäusern landen.

Außerdem haben die Kinder die Wilderei, den wachsenden Holzverbrauch, die vielen Buschfeuer und die mangelhafte Abwasserentsorgung als Problem genannt. Häufig wurde auch die steigende Verbreitung eines Unkrauts erwähnt, welches „Bokassa-Gras“ heißt. Es wächst sehr schnell und ist für die Rinder nicht fressbar, so dass Weidegrund für die Viehhaltung verloren geht, wenn sich dieses Gras ausbreitet. Für die Landwirtschaft ist das Gras dagegen gar nicht so schlecht, denn die Erde darunter wird sehr fruchtbar und man kann gute Ernten darauf erzielen. Dafür wird das Gras alleridngs häufig abgebrannt, was wiederum zu Buschfeuern führen kann... .

Aber die Kinder haben auch viele gute Ideen, was man tun kann, um z.B. die CO2-Emisionen zu verringern. Besonders gern möchten sie, dass Abgasfilter in die vielen Autos und Motorräder eingebaut werden und es verboten wird, alte Autos aus anderen Ländern zu importieren. Sie hätten gern eine Möglichkeit, alte Sachen wieder zu verwenden und wichtige Wertstoffe zu recyceln, so z.B. die allgegenwärtigen Plastiktüten. Ahmadou, 14 Jahre, schlägt vor, dass man für jeden großen Baum den man fällt, um Feuerholz zu haben, 5 kleine pflanzen und sich um sie kümmern soll.

Djainabou ist bereits Mitglied in einem „Club der Freunde der Natur“ an seiner Schule. Der Club trifft sich wöchentlich einmal nach der Schule und pflanzt Bäume, sammelt Müll ein oder diskutiert über Umweltthemen. Gemeinsam wollen sie mehr Leute darüber aufklären und sie überzeugen, die Natur besser zu schützen!

Und bereits in Douala habe ich dieses Transparent gesehen: "10.000 Bäume im Jahr 2008 pflanzen - mobilisieren wir uns!"


Donnerstag, 24. Juli 2008

Globale Gerechtigkeit?

Hallo, da sind wir wieder. Leider ist in dieser Woche für mehrere Tage das Internet ausgefallen, so dass wir uns erst heute wieder melden können.

Diese Woche war zum größten Teil dem Aufbau der Bibliothek von CDE SAARE gewidmet, außerdem haben wir die Daten der meteorologischen Station ausgewertet und uns einige Studien zum Klimawandel und Kamerun angesehen. Mit den Bauern konnten wir uns leider noch nicht treffen, hoffen aber das bald nachholen zu können.

Die Daten der Wetterstation haben einen kleinen Trend bestätigt: Die Temperaturen steigen langsam an, in den letzten sechs Jahren lag z.B. die Jahresdurchschnittstemperatur kontinuierlich ein wenig über dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre. Zwar sind die Daten von „nur“ 20 Jahren nicht wissenschaftlich eindeutig, aber sie zeigen doch deutlich eine Entwicklung an und die Ergebnisse stimmen mit den Aussagen von Klimaforschern und den Eindrücken der Leute hier überein.

Kamerun erfährt eindeutig einen Klimawandel und die Leute haben begonnen, ihn zu bemerken. Laut Klimaforschern wird Afrika als Kontinent am stärksten vom zu erwartenden Klimawandel betroffen sein. Wie viel trägt Kamerun aber eigentlich zum Klimawandel bei?
Um das herauszufinden, kann man einige Berechnungen anstellen: Der Klimawandel wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, der wichtigste ist jedoch die Erhöhung der Konzentration von so genannten Treibhausgasen in der Erdatmosphäre. Offensichtlich bläst die Menschheit seit etwas über 100 Jahren immer mehr davon in die Luft und das Klima reagiert darauf.

In der Tabelle unten lässt sich nun z.B. feststellen, dass der Anteil Afrikas an der Weltbevölkerung etwa 14 % ist – während es nur ca. 3% der weltweiten Treibhausgasproduktion zu verantworten hat.

Klimaforscher fordern, den Klimawandel auf einen Temperaturanstieg von maximal 2°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen – diese 2°C gelten als die Grenze unterhalb der die Menschen mit dem Temperaturanstieg noch umgehen können und die Folgen nicht zu dramatisch werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste der CO2 Ausstoß im Vergleich zum jetzigen stark reduziert werden.

Würde man also die Menge CO2, die wir gefahrlos ausstoßen können gleichmäßig auf alle Menschen verteilen, hätte jeder 3 Tonnen pro Jahr zur Verfügung, die er oder sie ausstoßen darf. Laut Weltbank ist 1 Tonne pro Jahr das Minimum für einen menschenwürdigen Lebensstandard, wenn also genug Energie und Lebensmittel usw. vorhanden sein sollen.
Der bisherige Ausstoß ist sehr ungleich verteilt: Im Durchschnitt produziert ein Deutscher ca. 12,3 Tonnen CO2 pro Jahr, also viermal soviel wie „erlaubt“. Ein Kameruner hingegen produziert etwa 0,3 Tonnen, worin sich widerspiegelt, dass viele Menschen hier z.B. keinen Zugang zu Elektrizität oder motorisierten Transportmitteln haben.

So, das sind genug Zahlen für heute. Ich gehe jetzt das Abendessen vorbereiten: Gebratene Kochbananen mit Tomaten und Paprika.

Und ihr könnt, wenn ihr möchtet herausfinden, wie viel CO2 ihr selbst ausstoßt. Einen CO2-Rechner findet ihr hier.
Ähnliche Rechenbeispiele gibt es in Form des „ökologischen Fußabdrucks“, mit dem man ausrechnen kann, wie viel der Erdoberfläche man durch den eigenen Lebensstil eigentlich beansprucht und wie viele Erden man bräuchte, wenn alle Menschen so leben würden. Den eigenen Abdruck kann man z.B. hier berechnen. Dazu gibt es viele Tipps, wie man seine eigene Umwelt-Bilanz verbessern kann.

Bis bald,
eure Carolin

Montag, 14. Juli 2008

Klima und Landwirtschaft

Wie angekündigt waren Marie und ich in dieser Woche bei den Deligierten der Ministerien für Umwelt und für Landwirtschaft und auch bei der meteorologischen Station in Ngaoundéré und haben dort viele interessante Dinge erfahren. Alle dort Beschäftigten stimmen überein, dass der Klimawandel in Adamaoua schon zu spüren sei, auch wenn diese Region noch nicht so stark betroffen sei wie die beiden nördlicheren Provinzen, die noch näher an der Sahara liegen.

Die Wetterstation liegt am Flughafen der Stadt und hat die Aufgabe stündlich Wetterdaten an Institute in der ganzen Welt zu liefern, die sie z.B. für die Berechnung von Flugrouten verwenden. Einmal täglich steigt dazu ein Wetterballon in 3000m Höhe, um dort Messungen vorzunehmen und jede Stunde geht ein Mitarbeiter hinaus um de Daten von verschiedenen Instrumenten aufzunehmen. Auf dem Foto sieht man, wie gerade die Niederschlagsmenge bestimmt wird.

Wir haben uns bei der Station die Wetterdaten für die letzten 20 Jahre besorgt und wollen analysieren, ob man daran den Klimawandel schon ablesen kann. Da es aber nur eine von vielen Stationen in Kamerun ist, haben wir die Mitarbeiter auch gefragt, ob sie generell etwas zu den Veränderungen in Kamerun sagen können. Sie sagten, die gemessenen Temperaturen wären über die letzten Jahre gestiegen, aber viel auffälliger wäre die Veränderung beim Regen: Die Regenzeiten würden später beginnen und wären allgemein kürzer und schlechter voraus zu sagen. Früher hätte es höchstens mal drei bis vier Tage lang keinen Regen gegeben, nun seien die Pausen zwischen den Regentagen unberechenbar und könnten bis zu 10 Tagen dauern.

Diese Provinz ist eher dünn besiedelt, die einzige größere Stadt ist Ngaoundéré. Wenn man durch die grünen Weiten der Provinz fährt, sieht man nur hier und da einige winzige Dörfer, die aus 5-20 der traditionellen Häuser bestehen, die auf dem Foto zu sehen sind. Allerdings steigt die Anzahl der Menschen kontinuierlich, denn immer mehr Menschen aus dem Norden wandern nach Adamaoua um sich dort nieder zu lassen – auch das ist eine Folge des Klimawandels.

Bis zu 75% der Menschen sind auf die eine oder andere Weise in der Landwirtschaft beschäftigt, auch wenn sie häufig nur kleine Felder haben, auf denen sie vornehmlich Nahrung für sich selbst anbauen. In Deutschland ist es nur etwa 1% der Bevölkerung. Deshalb haben wir uns mit dem Deligierten des kamerunischen Landwirtschaftsministeriums getroffen und ihn gefragt, was für Auswirkungen der Klimawandel in seinem Arbeitsgebiet hat.

Er ist der Auffassung, dass der Klimawandel definitiv schon zu spüren ist und für Einbußen bei den landwirtschaftlichen Erträgen sorgt.
Durch die Verkürzung der Regenzeit haben die Pflanzen weniger Zeit um vollständig reif zu werden, außerdem vermehren sich durch die längeren Regenpausen während der Regenzeit bestimmte Schädlinge stärker als früher. Der Maniok, ein Grundnahrungsmittel in dieser Gegend, wird z.B. häufiger als früher von bestimmten Insekten befallen, welche die Ernte reduzieren. Die Bauern versuchen sich mit mehr Pflanzenschutzmitteln zu helfen, doch diese sind teuer und schädlich für die Umwelt und die Menschen selbst. Der Deligierte möchte deshalb neue Planzenarten und Samen einsetzen, die besser an die kürzere Regenzeit angepasst sind.

Durch die wärmeren Temperaturen ist nun auch im Norden Adamaouas der Anbau von Baumwolle möglich geworden – allerdings wird es gleichzeitig in der nördlichsten Provinz Kameruns, Extreme-Nord, zu trocken, um sie dort noch anzubauen. Außerdem verringert der Baumwollanbau die Fläche, die für die Rinderhaltung in Adamaoua genutzt werden kann.

Trotz der geringeren Besiedelungsdichte sollen in der Provinz Adamaoua ca. 40% des Rinderbestandes Kameruns zu finden sein und auch die Rinderzucht leidet unter den Veränderungen.

In den nördlicheren Provinzen sterben bereits mehr Tiere aus Wassermangel und weil sie nicht an die höheren Temperaturen angepasst sind. Die meisten der Viehzüchter leben hier nomadisch, d.h. sie haben keinen festen Standort sondern ziehen mit ihren Tieren umher und bleiben eine zeitlang dort, wo genügend Wasser und Futter vorhanden sind. Da das im Norden zunehmend schwieriger wird, weichen einige nach Süden, also in die Provinz Adamaoua aus und immer mehr Rinder müssen sich eine immer kleinere Fläche teilen, was zu neuen Umweltproblemen führt.

In der nächsten Woche wollen wir mit Bauern aus der Gegend sprechen und fragen, ob sie schon Veränderungen wahrnehmen und wie sie damit umgehen. Außerdem bin ich neugierig, was eigentlich Kamerun selbst zum Klimawandel und zum Klimaschutz beiträgt... .

Viele Grüße,
Carolin

Montag, 7. Juli 2008

Erste Erfahrungen in Kamerun

Hallo und Willkommen zu desem Blog. Hier soll in Kooperation mit dem Projekt „Chat der Welten“ ein kleiner Erfahrungsbericht vor allem für interessierte Schüler über die Auswirkungen des Klimawandels in Kamerun entstehen. Doch zuerst möchte ich Marie und mich vorstellen.

Marie, (links), ist 22, kommt aus Frankreich und studiert in Paris Agronomie mit dem Schwerpunkt „Umwelt und Wirtschaft“. Ich heiße Carolin (rechts auf dem Bild), bin 25 Jahre alt, komme aus Deutschland und studiere in Bremen Soziologie mit dem Schwerpunkt „Entwicklungssoziologie“.

Gemeinsam werden wir von Ende Juni bis Mitte September ein Praktikum bei der Organisation CDE SAARE in Kamerun machen. Unsere Aufgabe ist es, Daten über den Klimawandel in Nordkamerun zu sammeln, zu analysieren und für Interessierte in der Bibliothek der Organisation bereit zu stellen. Im Zuge dessen werden wir einige unserer Ergebnisse in diesem Blog sammeln.

Vor fast zwei Wochen, am 25. Juni 2008 sind wir beide von Paris nach Douala, der wichtigsten Hafenstadt Kameruns geflogen und haben seit dem eine Strecke von etwa 1000 km per Bus und Bahn zurückgelegt, um in den Norden Kameruns, in die Stadt Ngaoundéré zu gelangen.

Bereits in dieser kurzen Zeit ist uns klar geworden, dass das Wetter hier in Kamerun ganz anders ist als in Europa und das Leben der Menschen auch mehr bestimmt. In diesem Teil der Welt gibt es nicht wie bei uns vier Jahreszeiten, sondern nur zwei: Die Trockenzeit und die Regenzeit.

In der Trockenzeit fällt nur sehr wenig Regen, in vielen Regionen auch überhaupt keiner. In Kamerun dauert diese Jahreszeit etwa von Mitte Oktober bis Ende Mai. In dieser Zeit leben die Menschen zum größten Teil von den Dingen, die sie während der letzten Regenzeit geerntet und aufbewahrt haben, denn die meisten Früchte und Gemüse wachsen nicht ohne den Regen.

In der Regenzeit dagegen regnet es sehr häufig und überall grünt und blüht es und das Angebot an frischen Früchten ist groß. Die Regenzeit geht in Kamerun etwa von Juni bis Ende September oder Mitte Oktober. Gerade jetzt erleben wir also die Regenzeit. Das heißt nun nicht, dass es ständig regnet, im Gegenteil, häufig scheint die Sonne und es ist sehr heiß, bis zu 35°C. Aber doch mindestens jeden zweiten Tag hat es bisher kräftig geregnet und zwar meist für mehrere Stunden hinter einander.

Für die Menschen in Kamerun ist der Wechsel von Regen- und Trockenzeit genauso verlässlich und normal, wie für die vier Jahreszeiten in Europa z.B. für die Menschen in Deutschland. Doch ebenso wie in Deutschland hat der weltweite Klimawandel auch in Kamerun einige Auswirkungen – die Regenzeiten verkürzen sich und lassen sich nicht mehr genau voraussagen, die Lebensbedingungen für die Menschen ändern sich und sie müssen Wege finden, um damit umzugehen. In den folgenden Wochen werden wir also daran arbeiten, ein paar Antworten auf die Fragen zu finden, welche Folgen diese Veränderungen für die Menschen, für die Natur und auch für die Wirtschaft Kameruns haben und was jeder von uns damit zu tun hat.

Viele Grüße aus dem gerade mal wieder verregneten Kamerun,

Carolin & Marie

P.S. Über Fragen oder Anregungen freuen wir uns natürlich besonders!