Montag, 6. Oktober 2008

Engagement für Kamerun

Hallo allerseits!
Bei meinen Recherchen zur Vorbereitung der Kamerun-Reise und auch in Kamerun selbst, bin ich auf viele Projekte und Organisationen vor Ort gestoßen, die man unterstützen kann. Wer durch meinen kleinen Reisebericht Lust bekommen hat, sich mehr mit Kamerun auseinander zu setzen und sich vielleicht für Land und Leute zu engagieren findet hier einige Möglichkeiten.

PLAN International ist ein internationales Kinderhilfswerk, welches in vielen Ländern rund um den Globus aktiv ist. In den drei kamerunischen Pogrammgebieten setzt PLAN sich vor allem für eine Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten und der medizinischen Versorgung ein. Finanziert werden die Programme über Patenschaften: Das heißt, eine Person oder eine Schulklasse z.B. aus Deutschland zahlt monatlich einen Betrag für ein Patenkind. Das Geld bekommt jedoch nicht das Kind direkt, sondern es fließt in Projekte, die der ganzen Gemeinde zu Gute kommen. So wird sichergestellt, dass nicht einzelne Familien bevorzugt werden und sich die Lebenssituation in der Gemeinde insgesamt verbessert. Außerdem kann man einen guten Kontakt zum Patenkind aufbauen: PLAN verschickt Informationen über die Familie, aber auch über die Kultur und Situation im Land. Das Patenkind und die Pate können einander Briefe schreiben und so viel voneinander erfahren.

Der Bewahrung des zentralafrikanischen Regenwaldes hat sich ein Projekt des World Wide Fund for Nature (WWF) verschrieben. Gemeinsam mit vielen anderen afrikanischen Ländern hat auch Kamerun einen Anteil an diesem Waldgebiet – und ist gleichzeitig das Land mit der höchsten Abholzungsrate Afrikas. Die Regenwälder des Kongobeckens „beheimaten über 400 Säugetierarten, mehr als 1.000 Vogelspezies und wahrscheinlich über 10.000 Pflanzenarten. Im Kongo-Becken kommen beide Gorilla-Arten vor. Außerdem Schimpansen und Bonobos, Waldelefanten und Waldbüffel, Bongoantilopen und Waldgiraffen. Viele Arten sind endemisch - das heißt, sie leben weltweit ausschließlich in dieser Region."( www.wwf.de) Der WWF setzt sich für eine nachhaltige Nutzung des Waldes ein, indem er ökologisch verträglichen Tourismus unterstützt und Unternehmen berät, wie sie ihre Holzgewinnung an soziale und ökologische Kriterien koppeln können. Ein Kuchenbasar, dessen Erlös an den WWF gespendet wird oder die Übernahme einer Patenschaft für eines der Projekte könnten dazu beitragen.

Wichtig ist aber natürlich auch das eigene alltägliche Verhalten: Schulhefte, Taschentücher und Toilettenpapier aus 100% Altpapier z.B. schonen auch den Regenwald, denn um an die teuren Edelhölzer im Wald zu kommen, werden auch viele nicht so gewinnbringende Bäume gefällt – und dann zu Papier oder Sperrholz verarbeitet.

Eine weitere Möglichkeit auch weiter im Alltag etwas für Kamerun (und andere Länder des Südens!) zu tun, ist der Besuch im Eine Welt Laden bzw. der Einkauf von fair gehandelten Produkten. Im Fairen Handel (Fair Trade Siegel) bekommen die Erzeuger Löhne bzw. Preise für ihre Waren, die ihnen den Lebensunterhalt sichern und z.B. ausschließen sollen, dass die Kinder mitverdienen müssen. Aus Kamerun kommen Kakao, Schokolade, Früchte wie Mangos und Ananas, Tee und Kaffee.

Es gibt auch viele kleine Projekte in Kamerun, die mehr oder weniger große Verbindungen nach Deutschland haben. Bei meiner Vorbereitung war ich durchaus überrascht, wie viele Bremer z.B. Kontakte dorthin haben und sinnvolle, aber nicht so bekannte Initiativen – die Unterstützung von Behinderten, politische Bildung für Kinder und Jugendliche, Schulpartnerschaften, Verbreitung erneuerbarer Energien u.a. - es dort gibt. Vielleicht findet ihr ja auch in eurer Stadt oder Region ein Projekt, dass ihr gern unterstützen würdet.

Aber selbstverständlich geht es mir nicht nur um Kamerun – das übergreifende Thema Klimawandel geht uns alle ganz alltäglich an. Viele Tipps, wie man selbst weniger CO2 produzieren kann, gibt es unter anderem hier. Recht fix kann z.B. der Umstieg auf Öko-Strom gehen, wenn alle Familienmitglieder einverstanden sind, andere Punkte wie weniger Autofahren und weniger Fleisch-Konsum sind schon heikler. Aber eigentlich ist für jeden was dabei und auch ein kleiner Schritt zur Reduzierung von CO2 ist einer in die richtige Richtung!

So bin ich nun am Ende diese Blog angekommen. Nach zwei Wochen in Deutschland bin ich langsam wieder in die Normalität zurück gekehrt und habe schon vielen Menschen von meinen Erlebnissen erzählt. Ich habe viele unvergessliche Erfahrungen gemacht und einige davon mit euch geteilt. Vielen Dank also auch an euch für euer Interesse – Useko!, wie es auf Fuldfulde heißen würde.
Sollte es noch weitere Fragen oder Kommentare geben, würde ich mich darüber sehr freuen.

Bis dahin viele liebe Grüße aus Bremen,
Carolin


Freitag, 3. Oktober 2008

Abschied und Begrüßung

Hallo allerseits!

Nach einiger Zeit melde ich mich wieder. Ich bin seit etwas über einer Woche wieder in Deutschland und musste mich hier erstmal wieder zurecht finden und wieder eingewöhnen.

Meine letzten Tage in Kamerun waren sehr schön, in Ngaoundéré kam mich ein Freund aus einem anderen ASA-Projekt besuchen und wir haben uns viel über unsere Erfahrungen ausgetauscht. Wir haben beide den Eindruck, dass Kamerun ein sehr vielfältiges Land ist – und sich z.B. der Norden stark vom Süden unterscheidet. Gemeinsam sind wir noch ein paar Mal in der Stadt und der Umgebung unterwegs gewesen und ich habe mich von verschiedenen Leuten verabschiedet.

Es war schon ein bisschen traurig, denn in drei Monaten lernt man die Leute besser kennen. Da ist z.B. Alisou (Foto), der einen kleinen Laden gleich neben unserem Haus hat und bei dem wir jeden Morgen Brot gekauft haben. Wir haben uns oft mit ihm unterhalten und haben einen Einblick in sein Leben erhalten. Er ist selbst erst vor einem halben Jahr von Mali nach Kamerun eingewandert und arbeitet dort nun in dem winzigen Laden. Tagsüber verkauft er viele Waren, die man so täglich braucht: Brot, Eier, Waschpulver, Toilettenpapier und Telefonkarten. Der Laden hat von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr abends auf. Doch sogar die Nacht verbringt Alisou in der kleinen Holzhütte, denn so spart er die Miete für eine andere Unterkunft und der Ladenbesitzer spart das Geld für einen Nachtwächter. Alisou versucht von seinem Lohn Geld zu sparen und zurück zu seiner Frau und den zwei Kindern nach Mali zu schicken. Ich hoffe, er wird mit dem Laden weiterhin Erfolg haben... .

Die Rückreise nach Deutschland verlief ohne Komplikationen. Viele Reiseführer schreiben, dass man am Flughafen in Douala mit Problemen rechnen muss, da die Beamten dort sehr genau kontrollieren und regelrecht versuchen würden etwas zu finden wofür sie eine Geldstrafe verlangen können. Ich bin nur auf sehr nette Beamte gestoßen, die sich allenfalls etwas länger mit mir unterhalten haben, als das in Europa üblich wäre. Douala habe ich bei etwa 26°C um 23 Uhr verlassen – als ich dann in Paris um 6.15h morgens gelandet bin, waren es 6°C (!) und drei Stunden später in Bremen auch nur 12°C (Foto). Ich habe die ganze erste Woche gefroren und mir auch gleich einen kleinen Schnupfen geholt.

In Bremen gab es dann erstmal Frühstück mit Vollkornbrot und Käse, beides habe ich in Kamerun nach einiger Zeit vermisst. Dort isst man – in französischer Tradition – fast nur Baguette-Brot und es gab leider nur importierten, teuren Käse, den ich nicht oft gekauft habe. Na ja, dafür wird es auch einige kamerunische Dinge geben, die ich hier vermissen werde. Zwar weiß ich schon, wo ich in Bremen Kochbananen her bekomme, aber spätestens bei den Blattgemüsen (Kumbi, Ndolé, Foulang...) wird es wohl schwierig.

Ich bin natürlich auch froh, wieder bei meinen Freunden und in der für mich gewohnten Umgebung zu sein. Trotzdem nehme ich jetzt ein paar Dinge anders wahr: In den ersten Tagen war ich immer etwas verblüfft, wenn ich Leute getroffen habe und die Gespräche recht schnell zu Ende gingen, weil die Menschen wenig Zeit hatten. In Kamerun nimmt man sich dann eher die Zeit und redet lang und ausführlich mit einander. Erst recht kam es mir in der Straßenbahn seltsam vor, dass kaum jemand redet. In den afrikanischen Verkehrsmitteln sprechen auch wildfremde Menschen bald miteinander und gerade als Europäerin mit weißer Hautfarbe wird man immer angesprochen und ausgefragt. In unserer Straßenbahn scheinen die meisten mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt zu sein.

Es war eine wunderschöne Zeit in Kamerun und ich werde mich auf jeden Fall weiter mit diesem faszinierenden Land beschäftigen und mich dafür engagieren. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt und eine ganz andere Lebensweise. Der Abschied ist mir schwer gefallen, aber ich habe schon bei der Abfahrt aus Ngaoundéré das Gefühl gehabt, dass ich dort nicht zum letzten Mal gewesen bin.