Dienstag, 9. September 2008

Reisefieber

Hallo allerseits!

Nur noch zwei Wochen, dann bin ich wieder in Deutschland – und da freue ich mich schon sehr drauf! Andererseits bedeutet es auch so langsam Abschiednehmen, denn Marie ist bereits gestern Abend aus Ngaoundéré abgereist. In Frankreich fängt die Uni früher wieder an als in Deutschland und so muss sie schon zurück.

Ich bleibe noch bis nächste Woche Mittwoch und mache mich dann langsam auf den Rückweg. Zwei Tage werde ich noch in Yaounde verbringen und dort weitere Interviews machen und zwei Tage sind noch für Douala vorgesehen. Am Montag, den 22.9. geht dann abends mein Flugzeug. Ich habe soviel „Pufferzeit“ eingeplant, weil die Verkehrsverbindungen in Kamerun nicht so gut ausgebaut sind, wie in Deutschland.

Die Zugverbindung von Yaounde nach Ngaoundéré ist die einzige Nord-Süd-Verbindung per Bahn. Es fährt jeden Tag ein Personenzug von der Haupstadt in den Norden und jeden Tag einer in die Gegenrichtung. Ansonsten wird die Verbindung nur von Güterzügen genutzt. In der letzten Woche ist einer der Güterzüge vom Gleis abgekommen und hat für 1 ½ Tage die Strecke blockiert, so dass der tägliche Personenzug einmal ganz ausgefallen ist und einmal mit 12 Stunden Verspätung losfuhr. Falls das noch einmal passieren sollte, möchte ich genug Zeit haben, um meinen Flugtermin einhalten zu können.

Es gibt zwar auch die Möglichkeit, mit einem Sammeltaxi zu fahren, aber dann dauert die Fahrt mindestens zwei Tage – in einem kleinen Bus mit mindestens 30 Leuten und auf schlechten, meist ungeteerten Straßen. Diese Art zu reisen habe ich schon auf dem Weg nach Maroua (Foto) erlebt und obwohl man so viel mehr von der Landschaft mitbekommt, möchte ich das nicht zwei Tage lang machen. Außerdem ist auch die etwas ältere kamerunische Bahn noch klimafreundlicher als die Busse.

Um nach Europa zurück zu kommen, muss ich dann allerdings ein Flugzeug nehmen. Dies ist das klimaschädlichste aller Verkehrsmittel und ich hätte es gern vermieden. Für die Hinreise hatte ich überlegt, auf einem Frachtschiff von Deutschland nach Kamerun mit zu fahren – das wäre nicht mal viel teurer als ein Flug gewesen und ich hätte noch eine schöne „Kreuzfahrt“ gehabt. Allerdings hatten in dem Zeitraum keine Schiffe mehr Plätze frei. Der Rückweg per Schiff scheitert daran, dass die Schiffe nicht direkt zurückfahren, sondern Umwege machen, kleine Inseln und andere Länder anlaufen, manchmal sogar einen Schlenker nach Lateinamerika machen – das ist leider zu teuer und zu zeitaufwendig für mich.

Da also „Gar-Nicht-Fliegen“ für mich nicht geht, habe ich mich informiert, wie viele Treibhausgase bei so einem Flug eigentlich zu Stande kommen – und das ist eine ganze Menge. Hin- und Rückflug bringen es zusammen auf etwa 3200 kg CO2 allein für mich. Für diese Menge könnte ich auch einen Kühlschrank 32 Jahre laufen lassen oder 1 ½ Jahre lang Auto fahren.

Wenn man ausrechnet, wie viel ein Mensch jedes Jahr emittieren darf, ohne dem Klima zu schaden dann kommt man auf 3000kg CO2. Dabei würde man davon ausgehen, dass jeder Mensch gleich viel emittieren darf. Ich habe also sozusagen mein Jahresbudget mit dieser einen Reise schon überschritten – während ein Inder durchschnittlich nur 900kg CO2 im Jahr produziert.

Na ja, da ich das Fliegen schon nicht vermeiden konnte, habe ich wenigstens versucht, den Schaden der durch die Treibhausgase entsteht wieder ein zu dämmen. Bei Organisationen wie z.B. atmosfair kann man berechnen lassen, wieviel CO2 bei der Reise entsteht – und wie viel es kosten würde, die gleiche Menge CO2 woanders wieder einzusparen. Die Partnerorganisationen von atmosfair betreiben Solarküchen in Indien, verteilen sparsamere Brennholzkocher in Nigeria oder produzieren Biogas aus Abwasser in Thailand – was im Verglich zu bisherigen Methoden der Energiegewinnung CO2 einspart. Um meine 3200 kg CO2 einzusparen zu können habe ich 76 Euro an atmosfair gezahlt – die das nun an die Partner weiterleiten, die ihre Klimaschutzprojekte damit weiterentwickeln.

Liebe Grüße,
Carolin, (die jetzt ganz allein in dem großen Haus ist).


P.S. Auch Lust, die Länder des Südens zu entdecken und andere Kulturen besser kennen zu lernen? Inwent hat jetzt auch ein Schulpartnerschaftsprogramm zwischen Schulen in Deutschland und in Entwicklungsländern.

Dienstag, 2. September 2008

Was sagen die Bauern in Kamerun?

Hallo allerseits!

Etwas weit ab von den Weltnachrichten, weiß ich gerade gar nicht, was in Deutschland so los ist. Es ist zwar nicht schwierig, den eigentlichen Ereignissen zu folgen, aber hier wird kaum öffentlich über Dinge gesprochen, die nicht Kamerun direkt betreffen. Nur der neu ausgebrochene Konflikt im Kaukasus hatte auch Auswirkungen „für uns ASA-Stipendiaten“, denn auch in Georgien fanden ASA-Projekte statt. Sie wurden nun leider alle abgebrochen und die Teilnehmer über die Türkei aus der Region heraus geholt, weil es zu gefährlich war. Sicherlich sehr schade für die Leute, aber in dieser Situation wohl nicht anders machbar.

Wir konnten dagegen fleißig weiter arbeiten und haben endlich die Interviews mit den Bauern zusammen bekommen: In der Nähe von Maroua waren wir im Dorf Godola und haben mit den Bauern Amidou Sali, Amaoua Mathieu und Ousa Oumara gesprochen. Einige Kilometer von Ngaoundéré entfernt waren wir im Dorf Dena zu Besuch und haben mit 13 Einwohnern ein Gruppeninterview geführt.

Sie alle bearbeiten Flächen zwischen 0,25 und 4 Hektar - ein Hektar ist etwas größer als ein normales Fußballfeld. In Deutschland liegt die durchschnittliche Größe für Bauernhöfe bei 40-60 Hektar, was daran liegt, dass man mit Maschinen wesentlich mehr Fläche bewirtschaften kann. In Kamerun dagegen machen die Kleinbauern alles per Hand. Am häufigsten bauen sie Grundnahrungsmittel an: Mais, Erdnüsse, Bohnen, Maniok und Hirse, auch ein bisschen Baumwolle zum Verkaufen. Auf den Fotos seht ihr Maniokknollen und das allgegenwärtige Maniokmehl. Die rohe Wurzel enthält giftige Stoffe und um diese zu entfernen, mahlen die Frauen den Maniok zu Mehl, vermischen ihn mit Wasser und reiben diese Mischung dünn auf Plastikplanen und Tücher, um sie in der Sonne trocknen zu lassen. Man begegnet diesen Tüchern überall (Foto).

In keiner der Sprachen, welche die Bauern sprechen gibt es ein Wort für Klimawandel – und doch können die Bauern gut die ersten Veränderungen beschreiben. Marie und ich sind mit der Erwartung hingegangen, das die Bauern sagen würden, die Temperaturen wären in den letzten 20 Jahren angestiegen und der Regen weniger geworden. Dem war aber nicht so – diese deutlichen Änderungen scheinen die Gegend (noch) nicht erreicht zu haben. Stattdessen sagen sie aber, der Regen käme unregelmäßiger und das hat Konsequenzen. Normalerweise sollte es in der Regenzeit wenigstens alle zwei bis drei Tage regnen, damit der Boden feucht bleibt und die Pflanzen gut gedeihen. Jetzt aber kommt es häufiger vor, dass es mal drei-vier Tage nicht regnet und dann wieder recht viel. Der Wachstumszyklus der Pflanzen wird dadurch unterbrochen, sie bekommen nicht genug Wasser, bleiben klein und kümmerlich oder sterben sogar ab. Außerdem tötet der Regen zum Teil die Insekten. Kommt der Regen unregelmäßiger, gibt es mehr Insekten, die sich an den Feldern gütlich tun.

Insgesamt sinken also die Erträge – die meisten Bauern haben erst innerhalb der letzten 20 Jahre begonnen, Dünger und Pflanzenschutzmittel zu verwenden. Das liegt zum Teil auch daran, dass sie jetzt leichter zu haben sind und die Bauern vielleicht auch beraten werden. Dennoch ist die Aussage, das die Erträge für Hirse im Norden gleich Null wären, wenn man sie nicht behandeln würde bedenklich. Hirse ist das Hauptnahrungsmittel im Norden.

Amidou Sali, der seine Felder mit seiner Frau und ihren 9 Kindern bewirtschaftet, geht auch davon aus, dass die Bauern flexibler werden müssten und das Wetter nicht mehr so genau voraus zu sagen ist. Normalerweise wissen die Bauern im Norden z.B., dass der erste Regen irgendwann im Mai kommt – das kann am 1. sein oder am 31. Oft warten sie nach dem ersten Regen noch ab bis es zwei oder drei Tage am Stück regnet und sähen erst dann. In diesem Jahr jedoch hat Amidou als einziger der Bauern Godolas, sofort nach dem ersten Regen am 7. Mai gesät - seine Hirse war schon reif, als wir das Interview führten, während sich die anderen Bauern noch Sorgen machten, dass die ihre nicht groß genug für die Jahreszeit sei. Amidou hatte Glück und war stolz auf seine schnelle Entscheidung – aber es hätte eben auch nach diesem ersten Regen einige Tage trocken bleiben können und seine jungen Pflänzchen wären vertrocknet. Das Foto zeigt unsere Interviewpartner in Dena - sie sind zwischen 20 und 84 Jahren alt!

Es bleiben mir noch etwa drei Wochen in Kamerun und in dieser Zeit habe ich noch viel zu tun. Außerdem ist während der Zeit auch Ramadan, der muslimische Fastenmonat. Für die vielen Muslime hier ist das Fasten tagsüber religiöse Pflicht. Das heißt, sie essen von ersten Morgengebet (5h) bis zum Abendgebet (19h) nichts und erst danach nehmen sie wieder Nahrung zu sich.

Vor Beginn des Ramadans fand in Ngaoundéré am Sonntag eine „Fantasia“ statt – das bedeutet, das muslimische Oberhaupt, der Lamido, kam auf einem Pferd aus seinem Palast und machte einen Umzug durch die Stadt. Begleitet wurde er von seinen „notables“, den religiösen Beamten. Danach gab es einige Pferderennen.

Eigentlich wollte ich euch ja in Video von der Fantasia zeigen, aber ich schaffe es einfach nicht, es hochzuladen. Das muss ich wohl nachholen, wenn ich in Deutschland wieder einen stabilen Internetanschluss habe. Stattdessen also noch ein Foto vom Schlangenmeister, einer Art Prinz des Lamido, der seine Position von seinem Vater geerbt hat. Er ist für die Schlange verantwortlich, mit der der Lamido die Zukunft voraus sagt.


Viele Grüße,
Carolin


P.S. So und hier der Nachtrag des Videos. Unbedingt die Lautsprecher anmachen! Der Lamido ist der in weiß gekleidete Mann unter dem großen Regenschirm... . (3.10.2008)