Nur noch zwei Wochen, dann bin ich wieder in Deutschland – und da freue ich mich schon sehr drauf! Andererseits bedeutet es auch so langsam Abschiednehmen, denn Marie ist bereits gestern Abend aus Ngaoundéré abgereist. In Frankreich fängt die Uni früher wieder an als in Deutschland und so muss sie schon zurück.
Ich bleibe noch bis nächste Woche Mittwoch und mache mich dann langsam auf den Rückweg. Zwei Tage werde ich noch in Yaounde verbringen und dort weitere Interviews machen und zwei Tage sind noch für Douala vorgesehen. Am Montag, den 22.9. geht dann abends mein Flugzeug. Ich habe soviel „Pufferzeit“ eingeplant, weil die Verkehrsverbindungen in Kamerun nicht so gut ausgebaut sind, wie in Deutschland.
Die Zugverbindung von Yaounde nach Ngaoundéré ist die einzige Nord-Süd-Verbindung per Bahn. Es fährt jeden Tag ein Personenzug von der Haupstadt in den Norden und jeden Tag einer in die Gegenrichtung. Ansonsten wird die Verbindung nur von Güterzügen genutzt. In der letzten Woche ist einer der Güterzüge vom Gleis abgekommen und hat für 1 ½ Tage die Strecke blockiert, so dass der tägliche Personenzug einmal ganz ausgefallen ist und einmal mit 12 Stunden Verspätung losfuhr. Falls das noch einmal passieren sollte, möchte ich genug Zeit haben, um meinen Flugtermin einhalten zu können.
Es gibt zwar auch die Möglichkeit, mit einem Sammeltaxi zu fahren, aber dann dauert die Fahrt mindestens zwei Tage – in einem kleinen Bus mit mindestens 30 Leuten und auf schlechten, meist ungeteerten Straßen. Diese Art zu reisen habe ich schon auf dem Weg nach Maroua (Foto) erlebt und obwohl man so viel mehr von der Landschaft mitbekommt, möchte ich das nicht zwei Tage lang machen. Außerdem ist auch die etwas ältere kamerunische Bahn noch klimafreundlicher als die Busse.
Um nach Europa zurück zu kommen, muss ich dann allerdings ein Flugzeug nehmen. Dies ist das klimaschädlichste aller Verkehrsmittel und ich hätte es gern vermieden. Für die Hinreise hatte ich überlegt, auf einem Frachtschiff von Deutschland nach Kamerun mit zu fahren – das wäre nicht mal viel teurer als ein Flug gewesen und ich hätte noch eine schöne „Kreuzfahrt“ gehabt. Allerdings hatten in dem Zeitraum keine Schiffe mehr Plätze frei. Der Rückweg per Schiff scheitert daran, dass die Schiffe nicht direkt zurückfahren, sondern Umwege machen, kleine Inseln und andere Länder anlaufen, manchmal sogar einen Schlenker nach Lateinamerika machen – das ist leider zu teuer und zu zeitaufwendig für mich.
Da also „Gar-Nicht-Fliegen“ für mich nicht geht, habe ich mich informiert, wie viele Treibhausgase bei so einem Flug eigentlich zu Stande kommen – und das ist eine ganze Menge. Hin- und Rückflug bringen es zusammen auf etwa 3200 kg CO2 allein für mich. Für diese Menge könnte ich auch einen Kühlschrank 32 Jahre laufen lassen oder 1 ½ Jahre lang Auto fahren.
Wenn man ausrechnet, wie viel ein Mensch jedes Jahr emittieren darf, ohne dem Klima zu schaden dann kommt man auf 3000kg CO2. Dabei würde man davon ausgehen, dass jeder Mensch gleich viel emittieren darf. Ich habe also sozusagen mein Jahresbudget mit dieser einen Reise schon überschritten – während ein Inder durchschnittlich nur 900kg CO2 im Jahr produziert.

Na ja, da ich das Fliegen schon nicht vermeiden konnte, habe ich wenigstens versucht, den Schaden der durch die Treibhausgase entsteht wieder ein zu dämmen. Bei Organisationen wie z.B. atmosfair kann man berechnen lassen, wieviel CO2 bei der Reise entsteht – und wie viel es kosten würde, die gleiche Menge CO2 woanders wieder einzusparen. Die Partnerorganisationen von atmosfair betreiben Solarküchen in Indien, verteilen sparsamere Brennholzkocher in Nigeria oder produzieren Biogas aus Abwasser in Thailand – was im Verglich zu bisherigen Methoden der Energiegewinnung CO2 einspart. Um meine 3200 kg CO2 einzusparen zu können habe ich 76 Euro an atmosfair gezahlt – die das nun an die Partner weiterleiten, die ihre Klimaschutzprojekte damit weiterentwickeln.
Liebe Grüße,
Carolin, (die jetzt ganz allein in dem großen Haus ist).
P.S. Auch Lust, die Länder des Südens zu entdecken und andere Kulturen besser kennen zu lernen? Inwent hat jetzt auch ein Schulpartnerschaftsprogramm zwischen Schulen in Deutschland und in Entwicklungsländern.



