Freitag, 3. Oktober 2008

Abschied und Begrüßung

Hallo allerseits!

Nach einiger Zeit melde ich mich wieder. Ich bin seit etwas über einer Woche wieder in Deutschland und musste mich hier erstmal wieder zurecht finden und wieder eingewöhnen.

Meine letzten Tage in Kamerun waren sehr schön, in Ngaoundéré kam mich ein Freund aus einem anderen ASA-Projekt besuchen und wir haben uns viel über unsere Erfahrungen ausgetauscht. Wir haben beide den Eindruck, dass Kamerun ein sehr vielfältiges Land ist – und sich z.B. der Norden stark vom Süden unterscheidet. Gemeinsam sind wir noch ein paar Mal in der Stadt und der Umgebung unterwegs gewesen und ich habe mich von verschiedenen Leuten verabschiedet.

Es war schon ein bisschen traurig, denn in drei Monaten lernt man die Leute besser kennen. Da ist z.B. Alisou (Foto), der einen kleinen Laden gleich neben unserem Haus hat und bei dem wir jeden Morgen Brot gekauft haben. Wir haben uns oft mit ihm unterhalten und haben einen Einblick in sein Leben erhalten. Er ist selbst erst vor einem halben Jahr von Mali nach Kamerun eingewandert und arbeitet dort nun in dem winzigen Laden. Tagsüber verkauft er viele Waren, die man so täglich braucht: Brot, Eier, Waschpulver, Toilettenpapier und Telefonkarten. Der Laden hat von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr abends auf. Doch sogar die Nacht verbringt Alisou in der kleinen Holzhütte, denn so spart er die Miete für eine andere Unterkunft und der Ladenbesitzer spart das Geld für einen Nachtwächter. Alisou versucht von seinem Lohn Geld zu sparen und zurück zu seiner Frau und den zwei Kindern nach Mali zu schicken. Ich hoffe, er wird mit dem Laden weiterhin Erfolg haben... .

Die Rückreise nach Deutschland verlief ohne Komplikationen. Viele Reiseführer schreiben, dass man am Flughafen in Douala mit Problemen rechnen muss, da die Beamten dort sehr genau kontrollieren und regelrecht versuchen würden etwas zu finden wofür sie eine Geldstrafe verlangen können. Ich bin nur auf sehr nette Beamte gestoßen, die sich allenfalls etwas länger mit mir unterhalten haben, als das in Europa üblich wäre. Douala habe ich bei etwa 26°C um 23 Uhr verlassen – als ich dann in Paris um 6.15h morgens gelandet bin, waren es 6°C (!) und drei Stunden später in Bremen auch nur 12°C (Foto). Ich habe die ganze erste Woche gefroren und mir auch gleich einen kleinen Schnupfen geholt.

In Bremen gab es dann erstmal Frühstück mit Vollkornbrot und Käse, beides habe ich in Kamerun nach einiger Zeit vermisst. Dort isst man – in französischer Tradition – fast nur Baguette-Brot und es gab leider nur importierten, teuren Käse, den ich nicht oft gekauft habe. Na ja, dafür wird es auch einige kamerunische Dinge geben, die ich hier vermissen werde. Zwar weiß ich schon, wo ich in Bremen Kochbananen her bekomme, aber spätestens bei den Blattgemüsen (Kumbi, Ndolé, Foulang...) wird es wohl schwierig.

Ich bin natürlich auch froh, wieder bei meinen Freunden und in der für mich gewohnten Umgebung zu sein. Trotzdem nehme ich jetzt ein paar Dinge anders wahr: In den ersten Tagen war ich immer etwas verblüfft, wenn ich Leute getroffen habe und die Gespräche recht schnell zu Ende gingen, weil die Menschen wenig Zeit hatten. In Kamerun nimmt man sich dann eher die Zeit und redet lang und ausführlich mit einander. Erst recht kam es mir in der Straßenbahn seltsam vor, dass kaum jemand redet. In den afrikanischen Verkehrsmitteln sprechen auch wildfremde Menschen bald miteinander und gerade als Europäerin mit weißer Hautfarbe wird man immer angesprochen und ausgefragt. In unserer Straßenbahn scheinen die meisten mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt zu sein.

Es war eine wunderschöne Zeit in Kamerun und ich werde mich auf jeden Fall weiter mit diesem faszinierenden Land beschäftigen und mich dafür engagieren. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt und eine ganz andere Lebensweise. Der Abschied ist mir schwer gefallen, aber ich habe schon bei der Abfahrt aus Ngaoundéré das Gefühl gehabt, dass ich dort nicht zum letzten Mal gewesen bin.



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