
Die Wetterstation liegt am Flughafen der Stadt und hat die Aufgabe stündlich Wetterdaten an Institute in der ganzen Welt zu liefern, die sie z.B. für die Berechnung von Flugrouten verwenden. Einmal täglich steigt dazu ein Wetterballon in 3000m Höhe, um dort Messungen vorzunehmen und jede Stunde geht ein Mitarbeiter hinaus um de Daten von verschiedenen Instrumenten aufzunehmen. Auf dem Foto sieht man, wie gerade die Niederschlagsmenge bestimmt wird.
Wir haben uns bei der Station die Wetterdaten für die letzten 20 Jahre besorgt und wollen analysieren, ob man daran den Klimawandel schon ablesen kann. Da es aber nur eine von vielen Stationen in Kamerun ist, haben wir die Mitarbeiter auch gefragt, ob sie generell etwas zu den Veränderungen in Kamerun sagen können. Sie sagten, die gemessenen Temperaturen wären über die letzten Jahre gestiegen, aber viel auffälliger wäre die Veränderung beim Regen: Die Regenzeiten würden später beginnen und wären allgemein kürzer und schlechter voraus zu sagen. Früher hätte es höchstens mal drei bis vier Tage lang keinen Regen gegeben, nun seien die Pausen zwischen den Regentagen unberechenbar und könnten bis zu 10 Tagen dauern.
Diese Provinz ist eher dünn besiedelt, die einzige größere Stadt ist Ngaoundéré. Wenn man durch die grünen Weiten der Provinz fährt, sieht man nur hier und da einige winzige Dörfer, die aus 5-20 der traditionellen Häuser bestehen, die auf dem Foto zu sehen sind. Allerdings steigt die Anzahl der Menschen kontinuierlich, denn immer mehr Menschen aus dem Norden wandern nach Adamaoua um sich dort nieder zu lassen – auch das ist eine Folge des Klimawandels.
Bis zu 75% der Menschen sind auf die eine oder andere Weise in der Landwirtschaft beschäftigt, auch wenn sie häufig nur kleine Felder haben, auf denen sie vornehmlich Nahrung für sich selbst anbauen. In Deutschland ist es nur etwa 1% der Bevölkerung. Deshalb haben wir uns mit dem Deligierten des kamerunischen Landwirtschaftsministeriums getroffen und ihn gefragt, was für Auswirkungen der Klimawandel in seinem Arbeitsgebiet hat. Er ist der Auffassung, dass der Klimawandel definitiv schon zu spüren ist und für Einbußen bei den landwirtschaftlichen Erträgen sorgt.
Durch die Verkürzung der Regenzeit haben die Pflanzen weniger Zeit um vollständig reif zu werden, außerdem vermehren sich durch die längeren Regenpausen während der Regenzeit bestimmte Schädlinge stärker als früher. Der Maniok, ein Grundnahrungsmittel in dieser Gegend, wird z.B. häufiger als früher von bestimmten Insekten befallen, welche die Ernte reduzieren. Die Bauern versuchen sich mit mehr Pflanzenschutzmitteln zu helfen, doch diese sind teuer und schädlich für die Umwelt und die Menschen selbst. Der Deligierte möchte deshalb neue Planzenarten und Samen einsetzen, die besser an die kürzere Regenzeit angepasst sind.
Durch die wärmeren Temperaturen ist nun auch im Norden Adamaouas der Anbau von Baumwolle möglich geworden – allerdings wird es gleichzeitig in der nördlichsten Provinz Kameruns, Extreme-Nord, zu trocken, um sie dort noch anzubauen. Außerdem verringert der Baumwollanbau die Fläche, die für die Rinderhaltung in Adamaoua genutzt werden kann.
Trotz der geringeren Besiedelungsdichte sollen in der Provinz Adamaoua ca. 40% des Rinderbestandes Kameruns zu finden sein und auch die Rinderzucht leidet unter den Veränderungen.

In den nördlicheren Provinzen sterben bereits mehr Tiere aus Wassermangel und weil sie nicht an die höheren Temperaturen angepasst sind. Die meisten der Viehzüchter leben hier nomadisch, d.h. sie haben keinen festen Standort sondern ziehen mit ihren Tieren umher und bleiben eine zeitlang dort, wo genügend Wasser und Futter vorhanden sind. Da das im Norden zunehmend schwieriger wird, weichen einige nach Süden, also in die Provinz Adamaoua aus und immer mehr Rinder müssen sich eine immer kleinere Fläche teilen, was zu neuen Umweltproblemen führt.
In der nächsten Woche wollen wir mit Bauern aus der Gegend sprechen und fragen, ob sie schon Veränderungen wahrnehmen und wie sie damit umgehen. Außerdem bin ich neugierig, was eigentlich Kamerun selbst zum Klimawandel und zum Klimaschutz beiträgt... .
Viele Grüße,
Carolin
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