Außerdem sind einige der Leute, mit denen wir arbeiten wollten gerade nicht in Maroua, so dass wir uns noch etwas gedulden müssen. Morgen oder am Dienstag soll es dann aber so weit sein und wir haben Gelegenheit, mit einigen Bauern zu sprechen.
Der Norden Kameruns ist nicht nur dem Namen nach „extrem“ sondern auch vom Klima her. Ngaoundéré liegt relativ hoch, etwa 1200m und hat dadurch relativ milde Temperaturen. Maroua jedoch, liegt 500km weiter nördlich, somit näher an der Sahelzone und außerdem auf einer Höhe von nur 400m. Das bedeutet, dass die Temperaturen ganzjährig zwischen 25-45°C liegen und es viel weniger regnet. So regnet es in Ngaoundéré durchschnittlich an 128 Tagen im Jahr, in Maroua nur noch 70 Tage und noch weiter nördlich, in Kousseri nur noch 64 Tage.
Wenn es denn aber regnet, dann auch richtig, wie euch das kleine Video am Ende des Artikels hoffentlich zeigt. Diesen Regen“schauer“ habe ich heute Nachmittag aufgenommen und er dauerte etwa eine Stunde in dieser Heftigkeit um dann in einen kleinen Nieselregen überzugehen, der bis jetzt anhält. Der Krach, den ihr hört, wenn eure Lautsprecher an sind, rührt daher, dass viele Dächer hier aus Wellblech bestehen und der Regen darauf regelrecht „trommelt“. Gerade nachts ist das aber ein sehr entspannendes Geräusch, bei dem man sehr gut schlafen kann... .
Es hat einige Vorteile, in der Regenzeit in den Norden zu fahren: Die Temperaturen steigen gerade nicht über 30°C und sind somit für uns Europäer leichter auszuhalten, die in der Trockenzeit ausgedörrten und staubigen Böden grünen und erblühen in der kurzen Zeit des Wasserüberflusses und auch die Flüsse führen wieder Wasser. Viele Flüsse im Norden haben kein permanentes Wasser, sondern sind so genannte „Wadis“. In der Regenzeit führen sie Wasser, Kinder baden darin, Frauen waschen Wäsche und die Tiere können trinken – den Rest des Jahres über sieht man jedoch nur das staubtrockene Flussbett und Menschen und Tiere sind auf Brunnen und Wasserlöcher angewiesen.
Auf dem Foto sieht man den Mayo Kaliao, den Fluss Marouas – und wie man sieht, führt er längst nicht so viel Wasser, dass das gesamte Flussbett gefüllt wäre. Momentan ist er auch an keiner Stelle besonders tief, die Leute spazieren hindurch statt die weit entfernten Brücken zu benutzen. Dabei ist der August eigentlich die regenreichste Zeit in dieser Region – wenn der Fluss jetzt nicht seine volle Größe erreicht, wann dann? Auch das könnte also schon eine Folge des Klimawandels sein.
Obwohl die Regenschauer die Luft etwas abkühlen, hat auch diese Zeit ihre Nachteile für uns: Wir wollen noch ein etwas weiter entferntes Dorf besuchen und müssen nun darauf warten, dass es mal drei Tage am Stück nicht regnet – nur dann sind die Straßen dorthin nämlich passierbar. Viele andere Reisemöglichkeiten scheiden ebenfalls aus, weil die Straßen hier größtenteils nicht geteert sind, sondern aus fest gestampftem Erdboden oder Sand bestehen und sich im Regen nur noch in Matsch verwandeln. Leider können wir nun auch nicht in eines der Naturschutzgebiete gehen, um einige Tiere in freier Wildbahn zu sehen: Da das Gras ohnehin den Blick versperrt und die Tiere jetzt nicht mehr so häufig zu den Wasserlöchern kommen, aber auch um ihnen „Ferien“ von den neugierigen Touristen zu gewähren, sind alle Parks während der Regenzeit geschlossen.
Gerne wären wir auch noch weiter in den Norden, bis zum berühmten Tschadsee gefahren, aber sowohl der Regen als auch die angespannte Sicherheitslage im Norden hindern uns daran. Auf den Straßen in den Norden kommt es immer wieder zu Raubüberfällen, gerade wegen der Nähe zu den ungesicherten Grenzen der Nachbarländer Nigeria und Tschad – Banditen können sich nach einem Überfall auf die andere Seite der Grenze zurückziehen, ohne weiter verfolgt zu werden. Außerdem ist der Tschad ein politisch alles andere als ruhiges Land. Erst vor einem halben Jahr hat eine Rebellengruppe versucht, die Regierung des Tschads zu stürzen und die Hauptstadt N'Djamena einzunehmen, die sehr nah an der kamerunischen Grenze liegt. In der Folge sind viele Menschen aus dem Tschad nach Kamerun geflüchtet und auch jetzt scheint die Lage sich noch nicht in allen Gegenden beruhigt zu haben.
Dabei hatte ich mich schon darauf gefreut, den Tschadsee mit eigenen Augen zu sehen. Aber mehr dazu im nächsten Artikel, ich muss mich jetzt nämlich beeilen und noch schnell Wasser kaufen gehen, bevor es dunkel wird.
Viele Grüße,
Carolin
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